4 Tage, 13 Stunden im Zug - und das alles auf zwei (teilweise einem) Sitz(en), eine Erfahrung fuer sich, die sich in vielerlei Hinsicht und definitiv gelohnt hat...
Start unserer Reise: Donnerstag, 22 Uhr, Toronto Union Station. Versorgt mit Muesliriegeln, Aepfeln, Honig und ein paar Wecken (Broetchen, fuer die Nicht-Schwaben unter uns), machen Tim und ich uns auf, DEN Zug in Kanada zu besteigen: The Canadian, Zug Number 1.Die erste Nacht war sehr ruhig (mal abgesehen vom Horn/der Hupe, die der Zugfuehrer bei jedem Strassenuebergang betaetigt hat - da wir Toronto verlassen haben, kann man sich denken, wie viele Querstrassen es dabei zu ueberqueren galt), da nur sehr wenige Leute in unserem supersaver-supereconomy-superbillig Abteil waren. Somit konnten wir uns total komfortabel ueber jeweils zwei Sitze ausbreiten und (ich zumindest) die Beine ansatzweise ausstrecken.
Den naechsten Tag verbrachten wir mit "Fernsehen": wir sassen praktisch nur vor unserem Fenster und betrachteten die wunderschoene Landschaft Ontarios, die an uns vorbeizog: unzaehlige Waelder und Seen, hin und wieder ein kleines Dorf, ansonsten einfach Natur und Schnee! Wir haben Schnee gesehen! Unglaublich. Es gab sogar einen kleinen Stopp in einem 2000 Seelen Dorf, dessen Bahnsteig aus festgetretener Erde bestand uns fuer unseren langen Zug einfach nicht lang genug war. Alle Passagiere (zumindest diejenigen, die aussteigen konnten), stuermten den einzigen Supermarkt im Ort, um sich fuer den naechsten Tag einzudecken.
Dieser naechste Tag sah voellig anders aus: wir verliessen Ontario und betraten Manitoba und spaeter Saskatchewan. Frueh morgens hielten wir fuer lange 3-4 Stunden in der Hauptstadt Manitobas - Winnipeg - die wir neben erneuten Einkaufens und eines schoenen Fruehstuecks im Power-Sightseeing erkundeten. Mehr Zeit braucht man da ehrlich gesagt auch nicht; die Stadt ist zwar groesser als Stuttgart, aber eher ein verschlafenes Nest.Spannender war dann aber der weitere Tag: wir fuhren durch pure Praerie, vorbei an scheinbar unendlichen Getreidefeldern (die natuerlich abgeerntet aber nicht weniger beeindruckend waren), durch die absolute Wildnis und Einoede. Sowas hat man noch nicht gesehen! Fuer die Kanadier unter den Zugfahrern war das dermassen langweilig (voellig unverstaendlich), dass sie meine Begeisterung und mein Beduerfnis, einfach nur aus dem Fenster zu schauen, nicht verstehen konnten. Nachts kamen wir in der Hauptstadt Saskatchewans - Kanadas flachster Provinz - an, in der Tim und ich wegen den schneidenden Temperaturen (und galoppierender Muedigkeit) den Zug nicht verlassen haben.
Tag 3: Rocky Mountains. Eben noch in der Praerie, heute schon in Alberta - der Hammer. Ein Halt in dem kleinen Bergdorf Jasper erinnerte uns leicht an St. Moritz oder Lech, die Rockys sind aber einfach beeindruckend. Natuerlich hatten wir auch das allerbeste Wetter...sowas von geil :) I love it!Die letzte Nacht war aber besonders hart, da wir in Jasper einen Wagen abgehaengt, aber trotzdem eine Menge neuer Passagiere bekommen haben. Das heisst, unser Luxus von zwei Sitzen pro Person war Vergangenheit und wir mussten uns in einen Zweisitzer quetschen. Da war nicht gerade Schoenheitsschlaf angesagt...
Die Ankunft in Vancouver am naechsten Morgen war daher umso schoener. Diese Stadt hat mich sofort begeistert und ich habe sie in mein Herz geschlossen: einfach nur gruen, riesige Parks, der Pazifik UND die Berge im Hintergrund, Sandstraende, riesige Wolkenkratzer, saubere Strassen... Bisher die schoenste Stadt Kanadas, meiner Meinung nach. Und hier habe ich den ersten Waschbaeren gesehen, etwas, das nicht mal der Algonquin-Park geschafft hat... ;)Unser Hostel ist auch wunderbar, endlich mal wieder frisches Brot zum Fruehstueck nach den improvisierten Tagen im Zug (und in den Selbstversorger-Hostels zuvor). Mein Erlebnis der Woche: von den vielen Deutschen hier mal ganz abgesehen habe ich heute doch tatsaechlich beim Abendessen jemanden aus Tettnang getroffen. Ja, ganz recht, die Haelfte von euch war auch mit ihm in der Grundschule und wir kennen eine Menge gemeinsamer Leute und wissen, wo der jeweils andere wohnt - ich hab in Vancouver einen Tettnanger getroffen! Abartig, der Hammer! Wir waren voellig von den Socken :)
Fuer die naechsten beiden Tage wollen wir uns ein Auto mieten und British Columbia erkunden, da das ohne Mietwagen wohl nicht so richtig moeglich ist. Also bin ich mal sehr gespannt...und bevor es weiter nach Seattle geht, schaffe ich es hoffentlich, euch davon zu unterrichten. Bis bald! :)
Whow...ich bekomm wieder Reiselust!! Ein toller Bericht und erinnert mich an meine Zugfahrten, die ich allerdings in die entgegen gesetzte Richtung gemacht habe.
AntwortenLöschenZugfahren ist einfach klasse...!!!
Ich wünsch Euch viel Spaß..und fahrt mal nach Vernon...oder wenn die Zeit reicht nach Bralorne..eine alte Minenstadt und mit viel Glück werdet ihr dort auch die REste eines Camps entdecken, wo man Japaner während WWII dort interniert hatte. Eine geschichtsträchtige Gegend..!!!
Viele Grüße
Anke Mielke von der DKG :-)
Danke! Wir verbringen gerade eine super Woche in Vancouver und haben leider keine Zeit, deine Tipps auszuprobieren, denn bald gehts weiter :) Viele Gruesse aus Kanada!
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