Donnerstag, 1. Dezember 2011

Welcome to the Soo - Let it snow...//mexikanische Babyshower//Christmas all over//Zumba!//Lake Superior

Hier im Soo - dem liebevollen Spitznamen der Einheimischen für den zugegebenermaßen langen Namen Sault Ste. Marie - läuft das Leben im allgemeinen etwas langsamer. Es schneit relativ häufig und es ist einfach soo kalt (na gut, auch nicht viel kälter als gerade in Deutschland, aber ich bin noch nicht so darauf eingestellt).
Gemeinsam mit Nina (18, weiblich, aus Ulm), die hier für drei Monate in die Sprachschule geht, wohne ich in einer komfortablen Wohnung bei meinen Verwandten. Bei den Unternehmungen ihrer Klasse darf ich nun auch immer am Start sein; neulich waren wir Eislaufen, natürlich ein Muss in Kanada. Am Tag drauf haben wir uns mal wieder ein Hockeyspiel angesehen - bei dem sich niemand geprügelt hat! Wow - wir waren alle ziemlich erstaunt. Vielleicht hat es sich deshalb auch so lange hingezogen, dass eine Verlängerung und danach sogar ein "Elfmeterschießen" nötig war. Nein, so sehr Experte bin ich noch nicht, dass ich wüsste, wie das beim Hockey heißt :)
Sehr interessant war auch die Babyshower einer ihrer Klassenkameradinnen. Also erst mal: eine Babyshower ist das, was man aus amerikanischen Filmen kennt. Dabei wird die Hochschwangere mit Geschenken überschüttet, und während sie sie auspackt, sitzen alle (natürlich nur Frauen, Männer sind nicht erlaubt) um sie herum und ergehen sich in Begeisterungsrufen wie "Ooooh!" - "Aaaah!" - "It's sooo cute!" und so was halt. Zweitens: "Klassenkameradin" heißt nicht, dass sie so alt war wie wir; es handelt sich dabei um eine Schule, die Erwachsene allen Alters unterrichtet. Also keine Panik :)
Das Interessante war allerdings, dass besagte werdende Mutter Mexikanerin war und somit auch fast alle Gäste aus Südamerika stammten. Wir haben also auf spanisch einen amerikanischen Brauch in Kanada gefeiert. Wunderbar! :)
Was für Kanadier (und ich nehme Amerikaner hier nicht aus) wohl das absolute Highlight des Jahres ist - ganz klar Weihnachten. Als ich hier Mitte November ankam, war Weihnachtsdeko nichts außergewöhnliches. Spätestens Anfang Dezember MUSS einfach der Plastikweihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen und mit Designerkugeln - man kann schon fertig dekorierte Weihnachtsbäume kaufen, z.B. auf einer Ausstellung, die wir uns natürlich auch gleich mal reinziehen mussten - geschmückt sein. Der Plastikkranz an der Haustür darf auch nicht fehlen, gar keine Frage. Naja, wenn man mich fragt - Geschmacklosigkeit kennt hier keine Grenzen. (Kleiner Zusatz: Gestern sind wir an einem dieser Häuser vorbei gefahren (siehe Bild!), deren Stromverbrauch im Dezember drastisch in die Höhe steigt und deren Garten von Piloten gelegentlich mit der Landebahn verwechselt werden; und da stand doch tatsächlich ein Schild, dass man diese und diese Frequenz für die passende Musik einstellen soll - haben wir natürlich gleich mal gemacht. Zu den sanften Klängen von "Rudolph the red-nosed Reindeer" wirkte das nervöse Geblinke gleich viel harmonischer...)
Nach den ganzen allsonntäglichen Christmas-Teas und was es nicht so alles gibt, muss man sich auch mal wieder bewegen, und das macht man am besten im YMCA beim Zumba. YMCA (ja, das hat auch was mit dem Lied zu tun) ist ein riesiges Sportzentrum, in dem man einfach alles machen kann: schwimmen, turnen, Gewichtheben, Yoga - und eben auch Zumba. Das ist so eine Mischung zwischen Salsa und anderen lateinamerikanischen Tänzen, Aerobic und...weiß auch nicht so genau. Jedenfalls geht Nina schon länger dort hin und hat mich nun mal mitgenommen und es macht echt Spaß. Wenn ich nach Hause komme, kann ich "Waka Waka" besser tanzen als Shakira... ;)
Das Kino von Sault Ste. Marie ist auch riesig - und da haben wir uns beide kurz nach der Premiere erst mal Breaking Dawn reingezogen...hier ist das nämlich schon draußen, so nebenbei erwähnt... :)
Gestern bin ich mit einem Freund meiner Verwandten zu seinem Cottage an den Lake Superior gefahren. Im Haus war es kälter als draußen (nachts ist es auch kälter als draußen, hihi) und es hat drei Kartenspiele gedauert, bis der Ofen endlich richtig am Laufen war. Dafür war der Strand sehr schön...und der See einfach ein Meer. Jetzt fehlt mir nur noch der Lake Michigan und ich war an allen Great Lakes - zumindest so ein bisschen...
Nun habe ich noch eine entspannte Woche vor mir, bevor ich nach Toronto fahre und dort noch eine Woche bei Verwandten meiner Farmfamilie verbringe. Und dann - genau heute in zwei Wochen - checke ich wieder meine zwei Koffer ein, schmuggle mein viel zu großes Handgepäck in den Flieger und hoffe über dem Atlanik auf das Beste. Dann bin ich wieder daheim... :)

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